Felix überrascht mich am Morgen mit einer erfreulichen Nachricht: „Ich bin in guter Form und bereit für die Weiterfahrt. Die Schmerzen plagen mich nicht mehr so arg.“ Jetzt steht uns nichts mehr in der Quere, Friesland weiterhin mit dem Boot zu bereisen. Wunderbar ist das und dazu scheint noch die Sonne! Vor dem Mittag lösen wir die Leinen und fahren Richtung Makkum, wie damals am 30. Juli. Nach 45 Minuten Fahrzeit legen wir in IJlst eine Pause ein.

IJlst ist eine von den elf friesischen Städten mit einem Brunnen, die letztes Jahr realisiert wurden. Wir entdecken den Brunnen hinter dem neuen Museum und Werkplatz mitten in einer Wiese. Er glitzert und glänzt in der Sonne. Der Brunnen „Unsterbliche Blume“ symbolisiert die jahrhundertalte Verbindung zwischen Mensch, Kultur und Natur. Die blühenden Stinsenpflanzen aus Edelstahl stammen aus der Kreativität des japanische Künstlers Shijni Ohmaki.

Die alte Holzsägemühle wollen wir uns aus unmittelbarer Nähe ansehen. Sie sägt über 300 Jahren beachtliche Baumstämme zu Latten. An Samstagen ist das Sägewerk für Besucher zugänglich.

Eine grüne Poldermühle zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich. Sie schöpft Wasser aus dem Entwässerungsgraben in den Kanal De Geau. Die Mühle ist an Samstagen in Betrieb.

Nach unserem kurzen Ausflug zu den drei Objekten fahren wir weiter nach Bolsward. Um in die Stadt zu gelangen, hebt der Brückenmeister die ältlichen Brücken der Autobahn A7. Im Gemeentehaven Sùdwest Fryslân Bolsward legen wir an, nur ein paar Schritte vom Stadtzentrum entfernt.

Am Nachmittag spazieren wir im historischen Stadtkern, der eine Gracht umzieht. Das imposanten Renaissance-Rathauses am Ende der Gracht ist eingerüstet und abgesperrt. Der Turm mit dem Glockenspiel ragt hoch über den Häusern. Bolsward war einst eine wohlhabende Hafen- und Hansestadt am Middelzee, der trockengelegen wurde.

 

 

 

 

 

 

Die Stadt besitzt auch einen Kunst-Brunnen. Wir fragen auf der Strasse zwei Frauen, wo er sich befindet. Am Ende der Fussgängerzone erreichen wir den Platz mit der überdimensionalen Fledermaus. Wasser speit sie keins. Sie symbolisiert die dunklen Kräfte, so wie die positiven und rettenden. Passend zur Kirchenruine und Umgebung sei sie ein natürlicher Gast. Wie auch immer! Die Beschreibungen der Brunnen scheinen uns manchmal umständlich und zu künstlerisch. Sie sind mit Schöpfertum zu verstehen.

 

 

 

 

 

 

Aber was uns mehr beeindruckt als der Brunnen ist die Broerekerk-Runine. Die Klosterkirche im 13. Jahrhundert erbaut ging 1578 in reformierte Hände über. Bis 1970 wurden hier Gottesdienste gefeiert. Im Mai 1980 verwüstete ein Brand die Kirche. Daraufhin konservierten Fachleute das Mauerwerk. 2006 bekam die Kirch ein Glasdach vom Architekten Jelle de Jong entworfen.

Die Sonne scheint in das stille und lichtdurchflutete Kirchenschiff. Durch das gläserne Dach schauen wir direkt in den blauen Himmel. Wir spüren eine ruhige und geistige Atmosphäre. Ich fühle mich unbeschreiblich wohl zwischen den hohen Säulen. Die trumlose Kirche zieht uns in ihren Bann.

Den Besuch der zweiten historischen und reformierten Kirche in Bolsward verschieben wir auf morgen, da Felix erschöpft ist und zum Boot möchte.