Eigentlich wäre ich gerne zwei Tage länger in Brügge geblieben. Das dreitägige Cactus Festial, das im Stadtpark abgehalten wird, trieb uns zum Aufbruch. Zeitig verlassen wir am Freitagmorgen den Hafen Flandria. Bei der ersten Brücke werden wir gestoppt. Über den Funk wird uns mitgeteilt, wir hätten 45 Minuten zu warten. Warum ist uns nicht klar. Derweil sehen wir den Touristen zu, die zu Fuss in die Stadt strömen. Ein Berufsschiff mit Sand und Kies beladen rückt hinter uns heran. Jetzt ist der Fall klar, warum sie uns nicht durchliessen. Für ein Sportboot wird nicht extra geöffnet. Die Brücke sperrt jetzt sofort ohne Verzögerung auf. Zuerst fährt der Frachter durch und dann MY De Swel.

Wir lenken vorbei an zwei Stadttoren, einem Wasserturm und vier Windmühlen. Die Mühlen aus dem 13. Jahrhundert sind auf Brügges äusseren Stadtwalls errichtet. Die Sint-Janshuismühle mahlt wie in früheren Zeiten Korn.

Auf dem Kanaal Gent naar Ostende ist ausser uns kein einziges Sportboot unterwegs. Die beweglichen Brücken sind in ihrer Konstruktionen unterschiedlich. Eine fällt besonders auf, die Wippbrücke Scheepsdalebrug.

Der Kanal ist mit Betonplatten eingefasst, was nicht unbedingt ins Landschaftsbild passt. Ihm entlang führen links und rechts Radwege. Etliche Leute sind unterwegs. E-Bikes haben auch hier im flachen Flandern Einzug gehalten.

 

 

 

 

Die Sluis Plassendale ist offen. Wir müssen nur warten, bis die beiden Schleusenbrücken gehoben werden. Dann fahren wir in den fast schnurgeraden und schmalen Kanaal Plassendale-Nieuwpoort ein. Die erlaubte Geschwindigkeit auf dem 21 Km langen Kanal ist 5 Km/h. Wiederum ist weit und breit kein einziges Sportboot in Sicht. Für die heutige Berufsschifffahrt ist der Kanal zu schmal. Grosse Kornfelder erstrecken sich in dieser Gegend. Das Korn reift ausgezeichnet bei dem trockenen Wetter und hohen Temperaturen. Dieser Zustand dauert seit vier Wochen.

Sechs Stunden sind wir unterwegs. Unser Ziel, die Stadt Nieuwpoort mit den grossen Hafen Novus Portus, ist bald erreicht. Die Schleuse Gravensluis behindert unser Weiterkommen. Nach genauer Auskunft über Funk, wer wir sind und wohin wir wollen, öffnen sich langsam die Eingangstore.

Wir fahren ein. Geduld ist wiederum gefragt. Hoffentlich müssen wir in der Schleuse nicht übernachten. Ein junger Schleusenwärter erscheint mit seinem Notizblock. Er schreibt die wichtigsten Daten vom Boot und uns auf. Der Schleusenvorgang beginnt.

 

 

Die Schleuse ist alt und hässlich, hat vieles schon erlebt, keine Wunder, dass sie zittert, kracht und stöhnt wie das alte Haus von Rocky Docky.

Alles ist trotz der verschiedenen Geräuschen der Schleuse gutgegangen.

 

 

 

Wir erreichen jetzt den Zugang zur Nordsee und zum Hafen Novus Portus.

Er wurde 1985 erbaut mit 2000 Plätzen. Der Hafen unterliegt einem Tidenhub von 4,5 Meter. Im äussersten Teil des Hafenareals, der von der Belgian Air Force Yacht Club betrieben wird, legen wir an einem Kopfsteg an. Die Anmeldung verläuft reibungslos.

 

 

 

Unsere Nationalfahne wird gehisst (zweite von rechts).
Sie bemüht sich nicht besonders im Wind zu flattern, wie die anderen EU-Fahnen!