Verflixte Eisenbahnbrücke Nummer 3

Auf der Westoder fahren wir zurück, verlassen die Stadt und biegen in die Ostoder ein. Der Regen bleibt aus und die Sonne zeigt sich ab und zu. Wir wissen, dass eine weitere Eisenbahnbücke uns den Weg versperren wird, die jedoch gehoben werden kann. Guten Mutes nähern wir ihr.

Oh Schreck, ja totaler Schreck…… kein Wartesteg ist vorhanden, keine Telefonnummer, keine Funkfrequenz und keine Durchfahrtszeiten sind angeschlagen …… gar nichts. Telefonnummer und Funkfrequenz, die unsere virtuelle Wasserstrassenkarte anzeigt, sind ausser Betrieb.

Kantige Eisendalben für die Schubverbände stehen in einer Reihe vor der Brücke. Felix meint: „Uns bleibt keine andere Wahl, als an einem festzumachen.“ Nach einer kurzen Besprechung wie wir vorgehen wollen, steuert Felix vorsichtig zu einem Dalben. Jetzt werfe ich die Mittelleine und dann die Achterleine. Felix zieht von Hand unser Boot an die Dalbe. Die Fender noch an die richtigen Stellen rutschen, um hässliche Kratzer zu vermeiden und geschafft!

„ Wie weiter?“ fragen wie uns. Das Verdeck muss runder und der grosse Geräteträger muss umgeklappt werden. Die Reissverschlüsse werden geöffnet und bald liegt das Verdeck auf dem Boden – ein scheusslicher Anblick. Jetzt ist das Gestänge an der Reihe. Wir scheuen uns die Schrauben zu lösen.

Felix erinnert sich an die Quittung mit aufgestempelter Telefonnummer von unserer letzten Übernachtung bei der Seerettung. Er steigt die Treppe hinunter und ruft an. Plötzlich schaltet die eine rote Ampel auf Grün. Ich traue meinen Augen nicht. Die zweite Ampel schaltet ebenfalls um. „Felix, komm schnell hoch. Die Brücke wird von Geisterhand gehoben!“ rufe ich.

Wie der Blitz startet Felix den Motor, ich löse die Leinen und ab geht es durch die Mitte. Wir atmen erlöst auf. Über eine Stunde schwebten wir im Ungewissen.

Nach zwei Kilometer, bei einem langen Anleger für Berufsschiffe, machen wie nochmals fest. Mit oben ohne wollen wir nicht in die Stadt zum Hafen fahren.