Inselleben

In einem Magazin lese ich:

Borkum ist eines der beliebtesten Reiseziele für Jung und Alt und lockt jährlich hunderttausende Touristen auf das Eiland ihrer Träume an. Sie ist der schönste Sandhaufen der Welt!

Auch wir wollen die Insel der Träume kennenlernen. Eine Stunde nach Hochwasser um 10.30 steuern wir aus dem YH Neptunun in Delfzijl.  Zuerst wird 40 Minuten im Zeehavenkaanal gefahren, der in das Emser Fahrwasser mündet.  Unsere MY De Swel lässt sich im ablaufende Wasser meerwärts mit 18,5 Km/h treiben.  Das Wetter ist nicht in Hochglanz-Stimmung. Es ist dunstig und kühl. In den kommenden Tagen soll es aber Sommer werden, laut der Wetterprognose. Endlich!

Der Yachthafen Port Henry, der Burkanahafen für Berufsschiffe und Spotboote und der Fährhafen befinden sich an der Fischerbalije, im südlichen Teil der Insel Borkum.

Wir entscheiden uns für den YH Port Henry. Um 14.30 liegt unsere Swel längs am langen Schwimmsteg. Der Hafen unterliegt den Gezeiten. Bei Ebbe riecht es ziemlich. Die Steganlage scheint aus dem Brockenhaus zu sein. Keine Eisendalbe ist gleich wie die andere. Geht jemand auf dem Steg, beginnt er zu ächzen und wippten. Wie die elektrischen Leitungen verlegt sind, schauen wir besser nicht genau hin. Die ganze Hafenanlage stamme aus dem Osten, berichtet uns ein Insulaner. Mit Emmy und Nikki spazieren wir im Hafengelände. Was wir entdecken ist kaum zu glauben! Port Henry ist inmitten Schutt und Gerümpel gebaut worden.

Der Hafenmeister erzählt die Anlage gehört einem Unternehmer. Er führte einst eine Firma für Bau und Abbruch. 40 Leute waren angestellt. Die Entsorgung ist sehr teuer, weil zuerst alles mit der Fähre auf das Festland geführt werden muss. Für Eisenschrott erhält man heutzutage nichts mehr. Im Frühling liess der Besitzer einen ganzen Berg davon abtransportieren. Hoffentlich wiederholt er diesen Akt. Täte der Umgebung gut.

Zwei Windturbinen haben im Hafen Einzug gehalten. Eine dritte ist projektiert. Bei kräftigem Wind rauschen die Flügel ziemlich laut. Im Burkanahafen sind drei Offshore Firmen angesiedelt. An Stegen liegen die grossen Katamarane für die Wartung der Windparks.

Pro Nacht zahlen wir stolze 24.50 Euro und für die Dusche extra. Bei 6 Nächten kriegen wir eine gratis.

Positives soll auch erwähnt sein: Die sanitäre Anlage wie die Stege sind sauber. Im Yachthafen-Restaurant gibt es feine Gerichte zu normalen Preisen. Die Atmosphäre im Hafen ist freundlich.

Vier Tage lang hält das Sommerwetter. Wir faulenzen am Strand, kühlen uns in der kalten Nordsee ab, lesen bis zum Abwinken, fahren Rad und essen Eis.

Vom Nordstrand sehen wir bei Niedrigwasser in der Ferne die Sandbank der Seehunde. Sie sonnen sich mit ihren Jungen, die ab Juni geboren wurden. An der Niederländischen Küste tummeln sich bis zu 5000 Seehunde. Ihr Lebensraum ist von den Menschen gut geschützt.

Dann am Wochenende wird es stürmisch. Der Wind pfeift um die Ohren und zerzaust die Haaren. Die Wellen überschlagen sich und das Wasser spritzt hoch über die äussere Hafenmauer. Heftiger Regen wechselt sich ab mit kurzen Aufhellungen, die wir für den Auslauf der Hunde nutzen.

Wirklich, die Insel hält was die Werbung verspricht. Vielleicht steuern wir sie wieder einmal an.

 


Der Hafen


1 Woche auf der Insel