Der Ems-Jade-Kanal

Der Kanal verbindet die untere Ems mit der Jade. Bei Emden beginnt er mit km 0,0 und endet in Wilhelmshaven mit km 72,3. Erbaut wurde er von 1880 bis 1886. Damals benutzten die Schiffe den Wasserweg, um Torf in grossen Mengen aus den ostfriesischen Mooren zu transportieren. Über den Dortmund-Ems-Kanal und Ems-Jade-Kanal wurde die kaiserliche Marine in Wilhelmshaven mit Kohle, Munition und Ersatzteilen aus dem Ruhrgebiet versorgt.

Heute wird der Kanal mehrheitlich von Sportbooten befahren. Es gibt 15 feste, 27 bewegliche Brücken und 6 Kanalschleusen. Die niedrigsten festen Brücken liegen
3,8 m über dem Wasserspiegel.

Die Brücken und Schleusen werden von Hand betrieben, wie in alten Zeiten. Die Brückenwärter fahren mit dem Fahrrad, Auto oder Traktor nebenher und melden die Boote weiter zur nächsten Brücke oder Schleuse. 

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Im Ems-Jade-Kanal

Nach einem längeren Aufenthalt in Wilhelmshaven fahren wir auf dem Ems-Jade-Kanal nach Emden. Felix meldet uns am Morgen bei der ersten Klappbrücke in Wilhelmshaven an. Er kippt die Antennen und den Gerätebügel herunter. Die Höhe unseres Bootes ist jetzt ca. 3,80 cm! Bei den festen Brücken kommen wir mit einem Abstand von 20 cm zum Bootsverdeck ohne Probleme durch. Trotzdem ziehe ich jedes Mal den Kopf ein. Der Kanal führt durch eine abwechslungsreiche, schöne Landschaft. Manchmal ist er von Bäumen umsäumt. Im Dorf Marcardsmoor bleiben wir über Nacht.

Die Weiterfahrt geht reibungslos bis zur Brücke Kroglitzweg. An der Brückenunterseite sind Kabelstränge und Abdeckungen sichtbar. Ob das reicht? Ganz, ganz langsam fährt Felix die Brücke an. Ich befinde mit vorne und beobachte die Durchfahrt. „Haaalt, halt, um Himmelswillen, zurück, zurück“, schreie ich aufgeregt. Felix reagiert sofort.
Bei den Dalben vor der Brücke machen wir unser Boot fest. Felix montiert den
Geräteträger vollständig ab. In einem Abstand von ein paar Millimeter passieren wir die Fussgängerbrücke, während ich seitlich auf der Leiter stehe und die Kabel nach oben drücke. Zum Glück ist dies die einzige Krisenbrücke gewesen.

In der Kreisstadt Aurich, mit seinen alten Bürgerhäuser, Schloss und Mühle bleiben wir eine Nacht. Bei Regen nehmen wir den letzten Kanalabschnitt in Angriff. Am Mittag fahren wir in die letzte Schleuse mit den vier Kammern und ohne Hub ein. Sie wird Kesselschleuse genannt. Im Alten Binnenhafen Emden legen wir an.