Im 700-jährigen Giebelhaus (1370) begeben wir uns auf die Reise der Hansezeit. Lebendig ging es in der Diele zu und her: Säcke und Fässer wurden angeliefert. Das original erhaltene Lastenrad aus Holz verteilte sie per Seilzug auf den Speicherböden. In der Diele wurde gehandelt und verkauft. Das Kontor war die Schreibstube des Kaufmanns. Die Wohnräume der Kaufmannsfamilie lagen im seitlichen Hofgebäude, dem Kemladen.

Das Giebelhaus erfuhr im Laufe der Jahren mehrere Veränderungen innen und aussen. Wohnungen wurden eingebaut. Das Haus ging einmal an einen Gewürzhändler über und später an einen Tabakhändler. Auch Milch wurde in seinen Wänden verkauft. Über längere Zeit blieb es unbewohnt und verwahrloste.

Die letzten Besitzer schenkten 1994 das Kaufmannshaus der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Ein umfangreiche Sanierung vom Keller bis zum Giebel war notwendig. 1999 kam der stolze Moment: die Eröffnung des Museums und der Läden.

Das Kloster zum Heiligen Geist, die Heilgeistkirche und das Spital wurden Mitte des 14.Jh.s errichtet. In den langen Häusern lagen pflegebedürftige Menschen. Die Kirche ist heute das Gotteshaus der Gemeinde Heilgeist-Jakobi. Die Krankenhäuser baute man bei der Renovierung in Wohnungen um.

Krankenhausgang mit Wohnungen auf beiden Seiten.
Heilgeistkirche
Kloster zum Heiligen Geist

Je grösser die Macht und Einfluss der Bürger waren, desto prachtvoller gestalteten sie die Giebel ihrer Häuser. Die Hanse war die Blütezeit des Nordens. Um 1500 begann der Niedergang. Die Hanse verlor die Unterstützung der jeweiligen Staaten, die die Hanse als nützliche Macht gefördert hatten. Die Konzentration auf Warentransport genügte nicht mehr. Das Wirtschaftssystem änderte sich. Banken wurden eröffnet. 1559 schränkte der dänische Norwegen-Stadthalter die Privilegien der Hanse in Bergen drastisch ein. Unter der Herrschaft von Elisabeth I. erlosch 1598 die Bedeutung des Stalhofs in London.
Stalhof war ein 7000 m² grosses Gelände am Nordufer der Themse, auf dem die Hansekaufleute in London ihre Niederlassungen hatten.

Der Giebel gilt als einer der ältesten der Backsteingotik. Nach mehreren Umbauten konnte das seit 1979 leerstehende Gebäude in den Jahren 2002/03 saniert werden. 

Im Giebelhaus, das vor 1358 errichtet wurde, wohnte die Bürgermeisterfamilie Wulflam. Der prächtige Pfeilgiebel weist deutliche eine Verwandtschaft mit der gegenüberliegenden Fassade des Rathauses auf. Der Bürgermeister deutete mit der Nachahmung bewusst auf seine Machtstellung hin. In den Wulflam Stuben nehmen wir Platz für ein feines Essen – die Zeitreise durch die Vergangenheit macht hungrig und die Beine müde.

Wulflam
Rathaus

Unglaublich was in Stralsund unternommen wird, um die Bauten der Backsteingotik zu erhalten und zu pflegen.